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Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 – was Versicherungsmakler jetzt wissen müssen

Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot, die beschlossene Nachfolge des Riester-Systems. Zum ersten Mal fördert der Staat fondsgebundene Altersvorsorge ohne Garantiepflicht: bis zu 540 Euro Grundzulage im Jahr, 300 Euro pro Kind, dazu ein Standarddepot mit gesetzlichem Kostendeckel. Für Versicherungsmakler ist das mehr als eine neue Produktkategorie. Es ist der größte Beratungsanlass in der privaten Altersvorsorge seit Riester selbst, und diesmal ohne die Konstruktionsfehler, die Riester zum Ladenhüter gemacht haben.

Goldener Kalender mit 2027 vor aufsteigendem Kursdiagramm – Start des Altersvorsorgedepots

Dieser Leitfaden geht in die Tiefe: wie die Fördermechanik funktioniert, was der Kostendeckel für den Produktvergleich bedeutet, wie du die Riester-Bestandsfrage sauber beantwortest und wie du dich als Makler bis zum Start positionierst.

Was das Altersvorsorgedepot ist

Das Altersvorsorgedepot ist die reformierte, staatlich geförderte private Altersvorsorge. Die Grundidee: Statt Förderung nur für garantieverpflichtete Versicherungsprodukte gibt es künftig Zulagen und Steuervorteile für Einzahlungen in ein flexibles Depot, das in Fonds und ETFs investiert. Die Garantiepflicht, die Riester-Verträge über Jahrzehnte in renditearme Anlagen gezwungen hat, entfällt.

Die Eckdaten nach beschlossenem Stand:

  • Start am 1. Januar 2027. Ab dann können Anbieter das geförderte Depot anbieten.
  • Bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr, dazu 300 Euro pro Kind. Die Förderung fließt direkt ins Depot.
  • Keine Garantiepflicht. Erstmals sind reine Fondsanlagen förderfähig, mit entsprechend höheren Renditechancen über lange Laufzeiten.
  • Standarddepot mit Kostendeckel. Das gesetzlich definierte Standardprodukt ist auf 1,0 Prozent Effektivkosten gedeckelt. Das setzt den Preisanker für den gesamten Markt.
  • Frühstart-Rente als Ergänzung. Für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren zahlt der Staat monatlich 10 Euro in ein eigenes Altersvorsorgedepot. Damit wächst eine Generation heran, für die geförderte Depot-Vorsorge der Normalfall ist.

Bestehende Riester-Verträge werden nicht zwangsaufgelöst. Sie laufen weiter, und genau daraus entsteht eine der wichtigsten Beratungsfragen der nächsten Jahre. Dazu gleich mehr.

Warum Riester gescheitert ist und was das Depot anders macht

Um das Depot sauber zu beraten, musst du erklären können, warum es Riester ablöst. Riester hatte drei Konstruktionsfehler, und jeder davon ist im neuen System adressiert.

Erstens die Beitragsgarantie. Riester-Anbieter mussten zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge plus Zulagen garantieren. In der Niedrigzinsphase zwang das die Anbieter in Anleihen und Sicherungskapital, die Aktienquote lag oft nahe null. Ergebnis: Produkte, die über 30 Jahre Laufzeit kaum Rendite erwirtschaften konnten. Das Depot dreht diese Logik um. Ohne Garantiepflicht kann ein 30-Jähriger mit voller Aktienquote sparen, und über solche Zeiträume ist die Kapitalmarktrendite historisch der stärkste Hebel der gesamten Altersvorsorge.

Zweitens die Kosten. Riester-Policen waren häufig teure Versicherungsmäntel um mittelmäßige Fonds. Das Standarddepot mit 1,0 Prozent Effektivkostendeckel setzt jetzt einen öffentlichen Referenzpreis, an dem sich jedes Anbieterprodukt messen lassen muss.

Drittens die Komplexität. Zulagenanträge, Mindesteigenbeiträge, schädliche Verwendung: Riester war selbst für Profis mühsam zu erklären. Das Depot ist als Fördertopf mit Fondsanlage deutlich näher an dem, was Kunden aus dem ETF-Sparplan kennen, nur eben mit staatlichem Geld obendrauf.

Für dich heißt das: Die Beratungsgeschichte ist diesmal positiv erzählbar. Nicht "kompliziertes Förderprodukt mit Magerrendite", sondern "ETF-Sparen mit Staatszuschuss und Kostenanker".

Die Fördermechanik im Detail

Der Kern der Förderung sind die Zulagen: bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr und Person, dazu 300 Euro je Kind. Die Förderung fließt direkt ins Depot und arbeitet dort mit, sie ist also kein Steuerbonus am Jahresende, sondern investiertes Kapital mit Zinseszinseffekt.

Rechne die Größenordnung einmal durch, als Modellrechnung mit den beschlossenen Eckwerten: Eine Familie mit zwei förderberechtigten Elternteilen und zwei Kindern kann auf bis zu 1.680 Euro staatliche Förderung pro Jahr kommen, zweimal 540 Euro Grundzulage plus zweimal 300 Euro Kinderzulage. Über 25 Jahre sind das 42.000 Euro Förderung, bevor auch nur ein Euro Rendite gerechnet ist. Legt man auf Förderung und Eigenbeiträge eine langfristige Depotrendite, wächst allein der staatliche Anteil in einen sechsstelligen Baustein hinein. Die genauen Voraussetzungen für die maximale Zulage, etwa Mindesteigenbeiträge und Einkommensgrenzen, ergeben sich aus der finalen Umsetzung. Prüfe sie vor jeder Kundenberatung gegen den aktuellen Stand.

Zwei Beratungswinkel folgen direkt aus dieser Mechanik:

  • Familien sind die Gewinner-Zielgruppe. Die Kinderzulage macht das Depot für Eltern überproportional attraktiv, genau wie früher bei Riester, nur ohne die Renditebremse. Wer Familien im Bestand hat, hat seine Ansprache-Liste für Ende 2026 schon.
  • Bei kleinen Beiträgen ist die Zulage der Renditeturbo. Für einen Sparer, der 50 bis 100 Euro monatlich einzahlt, kann die Zulage einen erheblichen Teil der Sparleistung ausmachen. Diese Förderrendite gibt es in keinem ungeförderten ETF-Sparplan, und genau dieser Vergleich wird in tausenden Beratungsgesprächen der entscheidende sein.

Standarddepot oder Anbieterprodukt: der neue Produktvergleich

Ab 2027 treten Banken, Fondsgesellschaften und Versicherer mit eigenen Depot-Varianten an, daneben steht das gesetzlich definierte Standarddepot mit 1,0 Prozent Kostendeckel als Referenz. Damit verschiebt sich die Beratungslogik: Der Kunde kann immer fragen, was das Anbieterprodukt besser macht als der gedeckelte Standard.

Wie stark Kosten über lange Laufzeiten wirken, zeigt eine einfache Modellrechnung. Angenommen, ein Kunde bespart 25 Jahre lang 200 Euro monatlich und erzielt brutto 6 Prozent Marktrendite. Bei 1,0 Prozent Effektivkosten bleiben ihm netto 5 Prozent, und das Depot wächst auf rund 119.000 Euro. Bei 2,0 Prozent Kosten, wie sie bei alten fondsgebundenen Policen nicht ungewöhnlich waren, bleiben 4 Prozent netto und rund 103.000 Euro. Sechzehntausend Euro Unterschied, allein durch Kosten, bei identischer Anlage. Die Annahmen sind bewusst vereinfacht, aber die Richtung ist eindeutig: Der Kostendeckel macht Kostentransparenz zum zentralen Verkaufsargument, und wer als Makler sauber vorrechnen kann, gewinnt das Gespräch.

Das heißt nicht, dass immer das Standarddepot gewinnt. Anbieterprodukte können mit besserer Fondsauswahl, flexibleren Auszahlungsoptionen oder Zusatzbausteinen punkten. Aber sie müssen ihren Mehrpreis ab 2027 begründen. Genau diese Begründung zu prüfen ist Maklerarbeit, und sie ist für gebundene Vermittler mit einem einzigen Hausprodukt strukturell unmöglich.

Riester-Bestand: halten, beitragsfrei stellen oder wechseln?

Millionen laufende Riester-Verträge treffen ab 2027 auf ein attraktiveres Nachfolgesystem. Die pauschale Antwort "alles umstellen" wäre genauso falsch wie "alles behalten". Eine saubere Entscheidungslogik prüft mindestens vier Punkte:

  1. Zulagenrendite des Altvertrags. Wer mit kleinem Eigenbeitrag hohe Zulagen zieht, etwa Familien mit mehreren Kinderzulagen im Altbestand, hat oft eine Förderquote, die trotz schwacher Produktrendite stark ist. Solche Verträge verdienen eine genaue Rechnung, bevor man sie anfasst.
  2. Garantiebedürfnis des Kunden. Die Riester-Beitragsgarantie ist ein echter Wert für sicherheitsorientierte Sparer kurz vor der Rente. Ein 58-Jähriger hat andere Prioritäten als eine 32-Jährige mit 35 Jahren Anlagehorizont.
  3. Kostenstruktur des Altvertrags. Abschlusskosten sind meist längst bezahlt. Die relevante Frage ist, was der Vertrag laufend kostet und was er in der Restlaufzeit realistisch noch erwirtschaftet.
  4. Übergangsregeln. Ob und wie sich Riester-Guthaben in das neue System überführen lassen, entscheidet sich in der Umsetzung. Bis dahin gilt: nichts überstürzt kündigen, denn eine Kündigung mit Förderrückzahlung ist fast immer der teuerste Weg.

Für dich als Makler ist jede dieser Prüfungen ein Beratungstermin mit dokumentiertem Mehrwert. Und sie ist ein Vertrauenstest, den unabhängige Berater gewinnen: Wer auch mal "behalten" empfiehlt, wenn die Zahlen dafür sprechen, verkauft danach alles andere leichter.

Die drei Schichten neu sortiert

Das Depot ersetzt keine Gesamtberatung, es vervollständigt sie. In der Drei-Schichten-Logik sitzt es in der privaten Vorsorge und tritt dort neben die ungeförderte fondsgebundene Rentenversicherung und den freien Sparplan. Die Grundzuordnung bleibt: Selbstständige mit hoher Steuerlast schauen zuerst auf die Basisrente, Angestellte mit Arbeitgeberzuschuss auf die bAV, und in der dritten Schicht wird das geförderte Depot für Förderberechtigte zum neuen Standardbaustein, besonders für Familien.

Das eigentliche Beratungsargument liegt im Zusammenspiel: Rentenniveau bei 48 Prozent eingefroren, Versorgungslücke politisch offiziell anerkannt, und drei Schichten mit je eigener Förderlogik. Wer alle drei vergleichen und kombinieren darf, berät. Wer ein Produktregal hat, verkauft. Diesen Unterschied versteht ab 2027 auch der Kunde, weil der öffentliche Preisanker des Standarddepots jede Empfehlung vergleichbar macht.

Was sich für dich als Makler konkret ändert

Neue Produktkategorie, neue Beratungspraxis. Das Altersvorsorgedepot ist ein Anlageprodukt mit Förderlogik, keine klassische Versicherung. Beratungsprozesse, Dokumentation und Produktwissen musst du darauf einstellen: Fondsauswahl, Kostenquoten, Zulagenoptimierung, Auszahlphase. Wer die Mechanik früh beherrscht, hebt sich sofort ab.

Vergütung im Wandel. Wie Vermittler beim Depot vergütet werden, hängt vom Anbieter und Produktmodell ab. Neben klassischen Abschluss- und Bestandsvergütungen sind Fee-basierte Ansätze im Markt. Rechne beide Modelle für dein Geschäft durch, bevor du dich positionierst, und kalkuliere bewusst mit dem Kostendeckel-Umfeld: Produkte mit schlanker Kostenstruktur bedeuten tendenziell schlankere Abschlussvergütungen und mehr Gewicht auf laufender Vergütung und Bestandsgröße.

Positionierungsfenster bis zum Start. Die Monate bis zum 1. Januar 2027 sind die Phase, in der du Kompetenz sichtbar machst: Bestandskunden segmentieren, Content aufbauen, Schulungsangebote der Pools nutzen, Produktzugang klären. Wer erst im Januar 2027 anfängt, sich einzulesen, berät Kunden, die sich woanders schon informiert haben.

So bereitest du dich konkret vor

  1. Gesetzes- und Produktentwicklung verfolgen. Bundesregierung, GDV und Fachpresse liefern laufend Details zur Umsetzung. Halte dich auf dem Stand, denn deine Kunden lesen die Schlagzeilen.
  2. Bestandskunden segmentieren. Wer hat Riester-Verträge, wer hat Kinder, wer hat Vorsorgelücken? Das ist deine Ansprache-Liste für Ende 2026, priorisiert nach Familien und Riester-Bestand.
  3. Anbindung und Produktzugang klären. Prüfe, welche Depot-Anbieter über deinen Maklerpool verfügbar sein werden und zu welchen Konditionen, inklusive der Vergütungsmodelle.
  4. Den Beratungsanlass jetzt nutzen. Du musst nicht bis 2027 warten. Die Rentenlücke deiner Kunden existiert heute, und wer jetzt eine saubere Drei-Schichten-Beratung bekommt, bleibt auch für das Depot bei dir.

Der Haken für alle, die noch im Strukturvertrieb arbeiten: Diesen Boom kannst du dort nur mit dem Produktregal deines Hauses bedienen. Warum der Reformschub gerade freie Makler bevorteilt, liest du im Detail in unserer Analyse zur Rentenreform 2026.

Häufige Fragen

Bestehende Riester-Verträge werden nicht zwangsweise aufgelöst, sie laufen weiter. Für Neukunden wird das Altersvorsorgedepot ab 2027 der geförderte Standard. Ob ein Altvertrag gehalten, beitragsfrei gestellt oder ersetzt werden sollte, hängt von Zulagenrendite, Garantiebedürfnis, Kosten und Restlaufzeit ab und ist ein klassischer Anlass für unabhängige Beratung.

Zum 1. Januar 2027. Anbieter werden Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungsunternehmen sein, dazu kommt das gesetzlich definierte Standarddepot mit 1,0 Prozent Effektivkostendeckel als Referenzprodukt.

Nach beschlossenem Stand bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr plus 300 Euro pro Kind, direkt ins Depot investiert. Eine Familie mit zwei Förderberechtigten und zwei Kindern kommt so auf bis zu 1.680 Euro Förderung pro Jahr. Dazu kommt die Frühstart-Rente mit 10 Euro monatlich vom Staat für 6- bis 18-Jährige. Details zur Förderabwicklung können sich in der Umsetzung konkretisieren.

Das Standarddepot ist der Kostenanker, an dem sich jedes Anbieterprodukt messen lassen muss. Anbieterprodukte können mit Fondsauswahl, Flexibilität oder Zusatzbausteinen einen Mehrpreis rechtfertigen, aber genau diese Rechtfertigung musst du prüfen und vorrechnen. Über 25 Jahre kann ein Prozentpunkt Kostendifferenz einen fünfstelligen Betrag ausmachen.

Die Auszahloptionen hängen von der finalen Produktgestaltung der Anbieter ab, im Gespräch sind flexiblere Modelle als der starre Riester-Verrentungszwang. Verlässliche Aussagen dazu gehören erst in die Beratung, wenn die konkreten Produktbedingungen vorliegen.

Das hängt vom Produktangebot ihres Hauses ab. Genau darin liegt das Problem: Ein gebundener Vermittler kann nur die Depot-Variante seiner Gesellschaft anbieten, ein unabhängiger Makler vergleicht über den Markt hinweg. Bei einem neuen, stark beworbenen Produkt mit öffentlichem Kostendeckel als Preisanker wird dieser Unterschied für Kunden so sichtbar wie selten.

Dein nächster Schritt

Das Altersvorsorgedepot ist die größte Chance im Vorsorgemarkt seit Jahrzehnten, und sie hat ein Startdatum. Wer als unabhängiger Makler mit breitem Marktzugang, sauberer Förder-Mathematik und einer klaren Riester-Entscheidungslogik in den Januar 2027 geht, bedient einen politisch aktivierten Bedarf mit echtem Beratungsvorsprung. Wer im Strukturvertrieb bleibt, erlebt denselben Boom mit einem einzigen Produktregal.

Wenn du wissen willst, wie dein Weg in die unabhängige Maklerschaft aussieht und ob er sich bis zum Depot-Start sauber umsetzen lässt, mach den Makler-Check. Der Wechsel ist in rund 60 Tagen machbar. Zeit genug, um zum Marktstart bereit zu sein.

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Hinweis: Dieser Beitrag gibt die persönliche Einschätzung und Erfahrungswerte der Redaktion wieder, ist allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität. Angaben zum Altersvorsorgedepot nach Stand der Gesetzgebung bei Veröffentlichung; Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen mit Annahmen, keine Prognosen. Details können sich in der Umsetzung ändern. Prüfe den aktuellen Stand vor jeder Kundenberatung. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.

Ben Hoffmann
Autor
Ben Hoffmann

Versicherungsmakler (§34d), Gründer von SoWirstDuMakler.de. Begleitet Finanzberater aus dem Strukturvertrieb in die eigene Maklerschaft. 120+ Makler erfolgreich begleitet.

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