Maklervollmacht — das Dokument, das aus einem Kunden deinen Kunden macht.

Eine Maklervollmacht ist eine schriftliche Vollmacht, mit der ein Versicherungsnehmer seinen Versicherungsmakler bevollmächtigt, gegenüber Versicherungsgesellschaften für ihn zu handeln: Informationen abzufragen, Schriftverkehr zu empfangen, Verträge zu kündigen und neue Anträge zu stellen. Ohne Maklervollmacht darf ein Makler beraten, aber er kann nicht für seinen Kunden handeln.

Ohne Vollmacht bist du Berater. Mit Vollmacht bist du Bevollmächtigter

Der Unterschied ist größer als er klingt.

Als Berater im Gespräch kannst du einem Kunden alles erklären. Du kannst analysieren, vergleichen, empfehlen. Aber du kannst nicht bei seinem bisherigen Versicherer anrufen und den Bestand anfragen. Du kannst keine Police kündigen. Du kannst keinen Antrag stellen. Du bist ohne Vollmacht rechtlich außen vor.

Die Maklervollmacht ändert das. Mit ihr bist du der offizielle Vertreter deines Kunden gegenüber allen Versicherern. Du handelst in seinem Auftrag. Du empfängst Korrespondenz. Du kannst seinen Bestand verwalten, übertragen, optimieren.

Das ist die rechtliche Basis für das, was ein Versicherungsmakler nach § 60 VVG leisten soll: eine Marktanalyse im Interesse des Kunden, nicht im Interesse eines Versicherers. Ohne Maklervollmacht bleibt diese Pflicht theoretisch.

Was die Maklervollmacht konkret erlaubt:

Auskünfte bei Versicherern einholen: Der Makler darf beim aktuellen Versicherer des Kunden Policenkopien, Vertragsinformationen und Beitragsdaten anfragen.

Schriftverkehr empfangen: Mahnungen, Beitragsanpassungen, Kündigungsbestätigungen laufen über den Makler, nicht direkt zum Kunden.

Verträge kündigen: Der Makler kann im Auftrag des Kunden bestehende Verträge zum Ablauf oder bei Beitragserhöhungen kündigen.

Neue Anträge stellen: Der Makler kann im Namen des Kunden Anträge bei Versicherern einreichen.

Bestandsübertragungen durchführen: Der Pool des Maklers kann den Kunden als Bestandsteil registrieren, erst dann wird der Vertrag dem Makler zugeordnet und fließt in seine Courtage-Abrechnung ein.

Zwei Dokumente. Zwei Funktionen. Beide notwendig

Diese Verwechslung passiert häufig.

Die Maklervollmacht ist eine Vollmacht. Sie autorisiert den Makler, im Namen des Kunden gegenüber Dritten zu handeln. Sie ist ein Instrument des Außenverhältnisses: Makler gegenüber Versicherer.

Der Maklervertrag ist ein Dienstleistungsvertrag. Er regelt das Innenverhältnis: Was der Makler für den Kunden tut, wie er vergütet wird, welchen Haftungsrahmen er übernimmt, welche Dokumentationspflichten gelten.

Maklervollmacht Maklervertrag
Rechtsnatur Vollmacht (§ 167 BGB) Dienstleistungsvertrag
Funktion Handlungsbefugnis gegenüber Versicherern Regelung der Makler-Kunden-Beziehung
Gegenüber Versicherungsgesellschaften Makler und Kunde intern
Widerrufbarkeit Jederzeit durch den Kunden Nach Vertragsbedingungen
IDD-Relevanz Indirekt Direkt (Transparenzpflichten)

In der Praxis: Viele Makler kombinieren beide Dokumente in einem. Das ist zulässig, solange die Inhalte beider klar enthalten sind.

Mehr dazu: → Maklervertrag, Inhalt, Pflichten und was ihn von der Vollmacht unterscheidet

Sieben Punkte, die eine Maklervollmacht rechtlich belastbar machen

Es gibt keine gesetzliche Mustervollmacht. Aber es gibt inhaltliche Anforderungen, ohne die eine Maklervollmacht entweder zu eng ist (und den Makler handlungsunfähig macht) oder rechtlich angreifbar wird.

1. Vollständige Identifikation beider Parteien. Name, Adresse, Geburtsdatum des Kunden. Name, Adresse, §34d-Zulassungsnummer des Maklers. Ohne vollständige Identifikation erkennen manche Versicherer die Vollmacht nicht an.

2. Präziser Vollmachtsumfang. Was darf der Makler konkret tun? Auskünfte einholen, Schriftverkehr empfangen, Verträge kündigen, neue Anträge stellen, all das muss explizit benannt sein. Ein zu allgemeiner Vollmachtstext schützt den Makler nicht bei streitigen Versicherern.

3. Kundenzentrierte Formulierung. Die Vollmacht wird im Auftrag und im Interesse des Kunden erteilt. Das muss sprachlich klar sein, nicht als Auftragsarbeit für den Versicherer.

4. Datenschutzrechtliche Einwilligung nach DSGVO. Der Makler wird Gesundheitsdaten des Kunden verarbeiten, bei Kranken-, Lebens- und BU-Versicherungen. Das sind "besondere Kategorien personenbezogener Daten" nach Art. 9 DSGVO. Hierfür braucht es eine ausdrückliche, separate Einwilligungserklärung. Fehlt sie, ist die Datenverarbeitung rechtswidrig.

5. Hinweis auf Widerruflichkeit. Der Kunde kann die Maklervollmacht jederzeit widerrufen. Dieser Hinweis muss enthalten sein, er ist Teil einer fairen, transparenten Kundenbeziehung und schützt beide Seiten.

6. Hinweis auf Courtagevergütung. Nach IDD-Vorgaben (§ 60 Abs. 1 VVG) muss der Makler transparent machen, dass er durch Courtagevergütung der Versicherer entlohnt wird, nicht durch den Kunden. Dieser Hinweis gehört in die Vollmacht oder in den begleitenden Maklervertrag.

7. Datum und Unterschriften beider Parteien. Ohne Datum ist die Vollmacht zeitlich nicht einordbar. Ohne Unterschriften rechtlich wirkungslos.

Ohne Vollmacht nimmt kein Pool deinen Bestand an

Wer aus dem Strukturvertrieb oder aus dem Ausschließlichkeitsvertrieb wechselt, hat Kunden. Die Frage ist, ob diese Kunden nach dem Wechsel auch rechtlich seinen Kunden sind.

Sie sind es nicht automatisch.

Der bisherige Versicherer hat die Kundenbeziehung. Der Makler hat die persönliche Beziehung. Die Maklervollmacht ist der Mechanismus, der beide verbindet.

Erst wenn ein Kunde eine Maklervollmacht unterzeichnet, kann der Makler:

Beim Pool als Bestandsteil angemeldet werden. Der Pool registriert den Kunden im System. Die Verträge werden dem Makler zugeordnet. Die Bestandscourtagen für laufende Sachversicherungen fließen.

Die Bestandsübertragung beim Versicherer beantragt werden. Der Versicherer erhält eine formelle Benachrichtigung, dass der Kunde jetzt durch diesen Makler betreut wird.

Den Kunden offiziell in die Betreuung übernommen werden. Der Makler kann auf den bisherigen Bestand zugreifen, ihn analysieren, optimieren und für die Courtagegenerierung heranziehen.

Das Ergebnis: Ein Bestand ohne Maklervollmachten ist kein Bestand. Es sind Kontakte. Der Unterschied entscheidet über den Wert deines Unternehmens.

Die Vollmacht ist ein Gespräch. Nicht ein Formular

Der häufigste Fehler beim Einholen von Maklervollmachten: Sie werden wie Bürokratie behandelt. Wie ein Formular, das der Kunde unterschreiben soll, weil der Makler es braucht.

Das Gegenteil funktioniert.

Die Maklervollmacht ist die logische Konsequenz eines Gesprächs, in dem der Kunde versteht, was sich für ihn ändert und verbessert. Ein Makler, der erklärt: "Ich bin jetzt unabhängig. Das bedeutet, ich kann für dich den gesamten Markt analysieren, nicht nur einen Versicherer. Damit ich das offiziell tun kann, brauche ich deine Vollmacht", wird sie fast immer bekommen.

Vier praktische Hinweise:

Persönliches Gespräch, kein Brief. Vollmachten per Post haben eine deutlich niedrigere Rücklaufquote. Wer den Kunden persönlich anspricht, erhält die Unterschrift im Gespräch oder unmittelbar danach.

Die wichtigsten 20 Kunden zuerst. Nicht alle gleichzeitig kontaktieren. Beginne mit dem Kern des Bestands. Diese Kunden setzen den Standard für alle weiteren.

Einfache Sprache, kein Juristendeutsch. Erkläre der Vollmacht, was sie bedeutet, nicht was sie heißt. "Du gibst mir die Erlaubnis, in deinem Namen mit deinen Versicherern zu sprechen."

Digitale Signatur prüfen. Viele Versicherer und Pools akzeptieren digital unterschriebene Vollmachten (DocuSign, Adobe Sign). Das beschleunigt den Prozess erheblich.

Häufige Fragen zur Maklervollmacht

Ja, jederzeit. Der Kunde kann die Maklervollmacht ohne Angabe von Gründen widerrufen. Der Widerruf beendet die Handlungsbefugnis des Maklers gegenüber Versicherern. Er berührt nicht automatisch bestehende Verträge — diese bleiben beim Versicherer.
Nein. Für Versicherungsvollmachten ist keine notarielle Beglaubigung erforderlich. Eine schriftliche Vollmacht mit Datum und Unterschrift des Kunden genügt in der Regel. Einzelne Versicherer verlangen eigene Formulare — im Zweifel beim Versicherer nachfragen.
Ja, wenn sie entsprechend weit formuliert ist. Eine Generalvollmacht für alle Versicherungsverträge ist zulässig. Wichtig: Bei Kranken- und Lebensversicherungen muss die DSGVO-Einwilligung für besondere Kategorien personenbezogener Daten (Gesundheitsdaten) explizit enthalten sein.
Manche Versicherer verlangen eigene Formulare. In diesem Fall: Das versicherereigene Formular ausfüllen lassen. Als Makler kannst du nicht erzwingen, dass dein eigenes Formular akzeptiert wird, aber die Vollmacht als solche ist rechtlich wirksam, auch wenn der Versicherer formale Einwände hat.
Ja. Die Maklervollmacht autorisiert den Makler zu handeln. Der Maklervertrag regelt, was er tut, wie er vergütet wird und welchen Haftungsrahmen er übernimmt. Ohne Maklervertrag fehlt die vertragliche Grundlage der Dienstleistungsbeziehung. In der Praxis kombinieren viele Makler beide Dokumente.
Sobald du einen Kunden als Bestandsteil beim Pool anmelden willst, benötigst du die Vollmacht. Der Pool registriert den Kunden auf Basis der Vollmacht — ohne sie erfolgt keine Bestandszuordnung und keine Courtage-Gutschrift für laufende Verträge.

Den Wechsel strukturiert angehen

Die Maklervollmacht ist einer von sechs Schritten im strukturierten Wechselprozess. Im Strategiegespräch zeigen wir dir, wann und wie du sie einholen solltest, und was du vorher klären musst.

→ Jetzt Strategiegespräch buchen, kostenlos und unverbindlich